Steinwolle: Vorkonditionierung und Aufrechterhaltung – was bei mir wirklich den Unterschied gemacht hat
Ich growe aktuell in Grodan Delta Blöcken (15 × 15 × 14,2 cm, Einzelblöcke statt Slab, wegen Mobilität und Crop Steering). Am Anfang hatte ich ständig Ärger mit pH, EC und ORP – und lange am falschen Ende gesucht.
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Kurzfassung vorweg: das Problem war nicht die Steinwolle, sondern mein Wasser.
1. Ausgangslage
Mein Leitungswasser: ca. 450 µS/cm, rund 16 °dH, Ca:Mg etwa 7:1, pH 7. Und — der eigentliche Killer — saisonal schwankend, weil hier Tiefquellen einspeisen.
Damit war jeder Ansatz eine andere Ausgangsbasis. pH und EC ließen sich nie reproduzieren, im Tank setzte sich Sediment ab, der ORP lag im Keller. Ich habe das lange auf Dünger und Blöcke geschoben.
2. Was der Reihe nach was gebracht hat
Schritt 1 — Luftsteine / O2 im Tank. Erster spürbarer Effekt, der Tank kippte nicht mehr so schnell. Das Grundproblem blieb.
Schritt 2 — Ozon. Deutlich größerer Sprung, das Wasser blieb erkennbar länger sauber und der ORP stieg. Trotzdem hatte ich weiter Schwankungen, die ich nicht in den Griff bekam.
Schritt 3 — Osmose. Erst hier war das Problem wirklich gelöst. Seit der RO-Anlage (5 Stufen, ohne Remineralisierung) ist Ruhe. Kleiner Hinweis für Neuanschaffer: die Permeatwerte brauchen eine Einlaufzeit — bei mir direkt nach der Erstspülung noch 160 µS/cm, dann ca. 90 ppm, inzwischen stabil bei 11 ppm. Wer sofort misst und enttäuscht ist, sollte einfach abwarten.
Was sich konkret geändert hat:
- Ich stelle den pH gar nicht mehr ein. Beim reinen RO-Wasser ist ein pH-Wert ohnehin wenig aussagekräftig — da ist praktisch nichts drin, was puffert. Ein belastbarer Wert entsteht erst nach Silica und Dünger, und der liegt bei mir dann von allein im Zielfenster.
- Vor allem aber: er bleibt da. Über eine ganze Woche bewegt sich der pH im Tank nur um gut ein Zehntel nach oben, den Rest der Schwankung schreibe ich der Messtoleranz zu. Vorher war das jede Woche ein anderes Spiel.
- Kein Sediment mehr.
Der Endzustand — RO-Wasser plus durchlaufende Luftsteine und Ozon — hält meinen 50-L-Tank bis zu sechs Tage kristallklar, im Dachgeschoss, im Hochsommer. Ein Reinigungszusatz ist damit bei mir überflüssig.
ZitatDazu ein ehrlicher Negativbeleg: Bei einem Umbau waren Ozon und O2 stundenlang aus. Danach hatte ich einen fühlbaren Biofilm im Tank, der ORP brach deutlich ein und kam von allein nicht mehr hoch. Erst nach kompletter Tankreinigung und Neuansatz war ich wieder auf dem gewohnten Niveau. Beides läuft bei mir seitdem durch.
(Silica nutze ich zusätzlich, das kommt bei mir als erstes in den Tank — ist aber ein eigenes Thema.)
3. Vorkonditionierung der Blöcke
So mache ich es:
- Vorkonditionierungslösung auf pH 5,5 und EC 2,5 einstellen (mein Feed liegt bei ca. 2,24)
- Blöcke ca. eine Stunde darin schwimmen lassen
- danach abtropfen lassen, nicht ausdrücken
Danach zeigten alle Blöcke rund 95 % Wassergehalt in der App.
ZitatEine praktische Falle: Ich habe Pflanzenvlies oben auf den Blöcken liegen. Anfangs lief dadurch ein Teil des Wassers seitlich über die Oberfläche ab statt in den Block — das Vlies lässt es nur verzögert durch. Gelöst habe ich das, indem ich größere Löcher ins Vlies geschnitten habe, sodass die Dripper keinen direkten Kontakt mehr zum Vlies haben und der Strahl nicht darauf trifft. Damit läuft das Wasser dorthin, wo es hin soll. Die Gabe muss man trotzdem anpassen, weil der Durchfluss immer noch deutlich zu hoch ist.
4. Sensorik — der Punkt, an dem die meisten Zahlen unbrauchbar werden
Zwei Dinge, die man wissen muss, bevor man irgendwelchen Prozentwerten glaubt:
a) Die Position entscheidet alles. Bei einem meiner Blöcke saß der Sensor schräg — der zeigt seitdem dauerhaft niedriger an als die anderen, bei identischer Behandlung. Herstellervorgabe: horizontal, alle Zinken vollständig vergraben, ungefähr im unteren Drittel, und nicht ins selbe Loch zurückstecken (Luftspalte). Klingt banal, entscheidet aber über alles, was danach kommt.
b) Es gibt kein Steinwolle-Profil. In meiner App stehen nur Clay Soil, Coco Air und Peat Soil zur Auswahl. Ich fahre Coco als nächstliegende Einstellung — aber das ist eben eine Näherung, kein passendes Profil.
Deshalb arbeite ich bewusst mit relativen Trends statt Absolutwerten. Ob 90 % wirklich 90 % Wassergehalt sind, ist mir egal — entscheidend ist, dass der Rückgang von Gabe zu Gabe reproduzierbar ist. Meine vier Blöcke zeigen nach identischer Vorkonditionierung und identischer Spülung trotzdem unterschiedliche Sättigungswerte, und ich halte bis heute nicht alle Sensoren für gleich verlässlich.
* 3x Spider Farmer Boden Sensor Pro + 1 "alt" Spider Farmer Boden Sensor
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Wenn ihr Offsets setzt: erst alle auf 0, dann komplett durchwässern, warten bis der Drain aufhört — und erst dann kalibrieren. Wer vorher kalibriert, kalibriert auf einen Zwischenzustand. Als Gegenprobe habe ich die Blöcke ein paar Mal zusätzlich gewogen; das zeigt schnell, ob ein Sensorverlauf plausibel ist.
5. Aufrechterhaltung im laufenden Run
Gesteuert wird über Ziel- und Triggerwert, jeweils als Prozentsatz der Sättigung. Es ist noch Steuerung ohne Crop Steering, weil der Durchfluss einfach viel zu hoch ist und somit nicht wie gewünscht genau steuerbar, ohne mehr als genug Drainverluste.
Meine aktuellen Werte:
- Ziel: 80 %
- Trigger: 70 %
- Notfall-Trigger: 65 %
Zwei Stolpersteine:
- Dripper: Die mitgelieferten verstellbaren Emitter lassen bei mir zu viel durch und lassen sich nicht weit genug zudrehen. Bei mehreren Pflanzen an einer Pumpe regelt man die Menge pro Pflanze über die Dripper und lässt die Zeiten gleich.
- Entlüften: Meine Leitung läuft zwischen zwei Gaben leer und entlüftet bei jeder Gabe neu. Bei kurzen Gaben geht dadurch messbar Zeit und Wasser verloren. Weswegen auch demnächst ein Umbau auf Industriele-Standard-Lösung.
* Spider Farmer Drip Bewässerung
6. Feed und Drain messen
Der aus meiner Sicht unterschätzte Punkt: Ich messe Feed und Drain gleichzeitig und dauerhaft über zwei Sonden. Die Drain-Sonde liegt direkt in der Entwässerungsbox, wo ohnehin 1–2 cm Restwasser stehen.
Absolutwerte sind dabei offen gesagt nebensächlich – zwei Sonden unterschiedlicher Generation haben ohnehin eine Toleranz zueinander. Interessant ist die Differenz und ihr Verlauf: Steigt die Drain-EC gegenüber dem Feed über mehrere Gaben hinweg an, salzt der Block auf. Verschiebt sich der Drain-pH nach oben, passiert im Block etwas. Beides sehe ich jetzt laufend, ohne jedes Mal von Hand zu messen. Aufbau, Grenzen und was man dabei falsch machen kann, habe ich separat beschrieben:
[LINK ZUM DIY-BEITRAG IN DER HEIMWERKER-ECKE... comming soon]
Fazit
Die Hebel nach Wirkung sortiert:
- Wasserqualität (Osmose) — größter Effekt, mit Abstand
- Aufbereitung (O2 + Ozon) — hält den Tank sauber und den ORP oben
- Sensorik richtig aufsetzen — Platzierung vor allem anderen
- Steuerung — kommt zuletzt und funktioniert nur, wenn 1–3 stimmen
Steinwolle verzeiht wenig, ist aber berechenbar, sobald die Eingangsgrößen stimmen. Der Block reagiert am Sensor praktisch sofort – man sieht sehr direkt, was man tut.
Kleiner Ausblick: Heute baue ich mein Bewässerungssystem um. Dazu kommt demnächst ein eigener Beitrag mit Fotos und Materialliste in der Heimwerker-Ecke. in dem Beitrag werde ich auch Links auf alles posten, inkl Wasser Monitor, Ozon generator etc.


