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Richter will Cannabis freigeben
Andreas Müller fordert Prävention statt StrafeMeppen. Prävention statt Strafe, wenn es um Cannabis geht, fordert der aus Meppen stammende Jugendrichter Andreas Müller in seinem neuen Buch „Kiffen und Kriminalität“. Er beruft sich auf Erfahrungen aus seiner Jugend im Emsland und aus der richterlichen Tätigkeit, um eine Kehrtwende in der Gesetzgebung zu verlangen.
Ebenso wie die Hälfte aller Juraprofessoren in Deutschland sieht er die seit 40 Jahren auf Abschreckung durch harte Strafen setzende Drogenpolitik in Deutschland als gescheitert an. „Kiffen ist durch Strafandrohung nicht zu verhindern“, meint er. Dies zeige sich daran, dass mehr als 500000 Haftstrafen in den vergangenen vier Jahrzehnten nichts anderes bewirkt haben als die Zerstörung von Lebensentwürfen und Familien. Die Strafandrohung führe dazu, dass in Elternhäusern und Schulen nicht offen über Cannabis gesprochen wird, wodurch die Präventionsarbeit erschwert wird. Schlimme Folgen habe die deutsche Drogenpolitik, weil sie Kranke zu Kriminellen macht, die auf Cannabis als Medikament angewiesen sind.
Eins stellt der Jugendrichter, der in Bernau in Brandenburg tätig ist, klar: „Cannabis ist keine harmlose Droge, es stellt eine Gefahr für Kinder und Jugendliche dar.“ Aber es sei besser, wie in der Bekämpfung von anderen Suchtmitteln wie Alkohol oder Nikotin auf eine Mischung aus Information und strenger Kontrolle des Marktes zu setzen sowie den Verkauf mit einer Steuer zu belegen.
In den Niederlanden gibt es seit 1976 eine kontrollierte Abgabe von Cannabis und eine intensive Präventionsarbeit. Eine internationale Studie zeigte, dass in Deutschland mehr Jugendliche Kontakt mit Cannabis haben als in den Niederlanden. Der Richter aus Meppen hofft, dass sein Buch dazu beiträgt, in Deutschland Regelungen wie in den Niederlanden und inzwischen in den USA zu finden.
Der 1961 in Meppen geborene Jugendrichter Andreas Müller wurde bekannt durch seine harten Urteile gegen Rechtsradikale. Wie er dazu kam, schilderte er 2013 in dem Buch „Schluss mit der Sozialromantik. Ein Jugendrichter zieht Bilanz.“ Schon in diesem Buch setzte er sich mit der seiner Ansicht nach falschen Drogenpolitik in Deutschland auseinander, die insbesondere durch die Kriminalisierung von Cannabisbesitz versagt hat. In beiden Büchern fließen Erlebnisse mit dem alkoholkranken Vater und dem heroinabhängigen Bruder ein, aber auch die besondere Situation im Emsland an der Grenze zu den Niederlanden.
Quelle:
Neue Osnabrücker Zeitung